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Gute oder schlechte Predigt?

22. Juli 2010

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Als Mitarbeiter einer christlichen Organisation und meiner Gemeinde habe ich gelernt, mit einer Überdosis Verkündigung zu leben. Geistliche Impulse, Andachten, Predigten… wir produzieren sie, wir senden sie, wir hören sie, wir lesen sie, wir twittern sie. Gottes Wort, in Menschenhand, im Überfluss. Und immer durch das Sprachzentrum (oder Schreibzentrum) eines Menschen hindurch, der seinen Job meistens sehr gewissenhaft und leidenschaftlich macht – nämlich das was Gott vor vielen Jahrhunderten in Menschenworte eingepackt hat, wieder für die Zuhörer bzw. Leser auszupacken.

Mit wechselhaftem Erfolg: Manche Predigten inspirieren, ermutigen, überführen und betreffen ganz persönlich, lassen einen über Wochen nicht los. Da hat wirklich ein weitaus Größerer in mein Leben hineingesprochen als der (oder die) Verkündigende. Und es gibt es das Gegenteil: Wirkungslose Andachten, theologisch fundiert, rhetorisch ordentlich,eigentlich alles richtig gemacht – und doch in der Wirkung blutleer.

Woran liegt das?

Natürlich, das Reden Gottes durch Menschenwort oder Menschenhand lässt sich nicht erzwingen, nicht programmieren. Natürlich, es ist der Geist Gottes selbst, der reden muss, sonst bleiben nur menschliche Vorstellungen und Appelle. Natürlich, es liegt immer auch an der Offenheit des Hörer, es ist nicht immer der richtige Zeitpunkt, nicht jeden geht jedes Thema gleichermaßen an…

Natürlich. Wenn Gott durch Menschen handelt, kombiniert er immer Inspiration und Transpiration – göttliche Vollmacht und menschliche Absicht. Und doch: Der der verkündigt, kann es vermasseln. Es gibt ganz objektiv gute und schlechte Predigten.

Es gibt viele Faktoren, die die Wirksamkeit einer Predigt auf der “menschlichen Seite” von Vornherein einschränken können. Über viele davon kann man in Büchern nachlesen. Über ein Unterscheidungsmerkmal guter von schlechten Predigten habe ich bisher aber noch nicht viel gelesen – und über ihn denke ich in letzter Zeit öfter nach. Sowohl beim Andacht- und Predigthören, als auch beim Selber-Andenken-und-Predigen. Es ist ganz einfach, und auch Laien in Homiletik (so nennt man die Lehre vom Predigen, wenn man es schick ausdrücken will) können beim Hören einer Predigt schnell ein Gefühl dafür bekommen. Ich nenne diesen Unterschied “Predigten von innen bzw. “Predigten von außen”.

Eine “Predigt von außen” ist wie eine Laborvorlesung an der Uni. Der Professor hält den zu untersuchenden Gegenstand in der Hand, die Studenten stehen um ihn herum und hören zu. Er dreht und wendet ihn nach allen Seiten, weist auf Besonderheiten hin, setzt seine Analyseinstrumente ein und beginnt mit den Zuhörern ein Gespräch über die Eigenschaften, Gesetzmäßigkeiten und Einsatzmöglichkeiten des Gegenstands. Genau so ist eine “Predigt von außen”: Gemeinsam schaut man sich einen Bibeltext an, der Verkündiger dreht und wendet ihn nach allen Seiten (mindestens jedoch nach drei Seiten, die alle mit dem gleichen Anfangsbuchstaben beginnen). Hinterher wissen alle Zuhörer deutlich mehr über den Gegenstand. Und – wenn es gut läuft – sogar, wofür sie ihn selbst verwenden können.

Eine “Predigt von innen” ist dagegen wie ein Innenarchitekt, der die Besitzer eines neu gebauten Hauses in ihre Räumlichkeiten hinein und umherführt. Auch er erklärt Dinge, weist auf Besonderheiten hin, setzt sein Fachwissen ein. Aber er ist mit den Zuhörern zusammen in dem Raum, über den er redet. Genau so ist eine “Predigt von innen”: Der Bibeltext ist kein “Etwas”, das man gemeinsam hin und herwendet und hinterher 80% von dem weiß, was es über diesen Text zu wissen gibt. Der Bibeltext ist wie ein Raum, in den der Verkündiger mit seinen Zuhörern hineingeht. In dem er ihnen die Augen öffnet, für das was in ihrem Leben längst ist (und was sie nur nicht gesehen haben). Und für das, was sein könnte. Ist bei der “Predigt von außen” die Anwendung im Alltag der “letzte Punkt”, das typische “und was heißt das jetzt für uns”, so sind Verkündiger und Zuhörer bei der “Predigt von innen” die ganze Zeit über beim “uns”. Beim Alltag. Bei der Bedeutsamkeit. Niemand der sich sein neues Haus anschaut, muss sich bewusst fragen, wozu er sich das jetzt anschauen soll.

Kleine Herausforderung an alle, die Andachten oder Predigten hören: Achte beim nächsten Mal darauf, ob du eine Innen- oder eine Außenpredigt hörst.

Größere Herausforderung an alle, die Andachten oder Predigten halten: Halte bewusst eine “Innen-Predigt”, falls du es nicht ohnehin schon tust. Und dann schau, was Gott bei deinen Zuhörern daraus macht…


Stille Zeit Reloaded

16. Juli 2010

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“Stille Zeit” – allein das Wort hat über viele Jahre bei mir Abwehrreflexe ausgelöst! Was zu Anfang des neuen Christenlebens für viele zunächst eine überkommene und übernommene Praxis ist, ist mir im hohen Wellengang des Alltags irgendwann verloren gegangen. Und das habe ich nicht als schlimm empfunden, denn es gab ja gute Gründe (und hat sich auch irgendwie fortschrittlich und fortgeschritten angefühlt), das nicht so eng zu sehen:

  • Ist es nicht ohnehin ein bisschen gesetzlich – jeden Tag “Stille Zeit machen”? (seit wann kann man Zeit eigentlich machen)?
  • Gibt es nicht genug andere geistliche Impulse, zumal in einem christlichen Arbeitsumfeld? Im vollzeitlichen Dienst jeden Tag eine Andacht – tut’s das nicht auch?
  • Jeden Tag christliche Blog-Beiträge, Facebook-Meldungen  und Podcasts aus der Medienschwemme Internet – reicht das nicht?

Seit einigen Wochen ist mir die tägliche, persönliche, medienlose, allein und in Stille verbrachte Reflexion ganz neu ans Herz gewachsen. Nur Gott, sein Wort und ich. Jeden Tag, bevor er für mich wirklich anfängt. Im Kopf weiß ich seit Jahren, dass es stimmt was Leute wie Richard Foster, Dallas Willard und andere immer wieder betonen: Die persönliche Zeit mit Gott allein ist für den eigenen geistliche Reifeprozess durch nichts zu ersetzen. Nun erfahre ich es mal wieder neu. Das Erstaunliche daran: Ich freue mich daran. Wirklich!

Erstes Symptom: Ich freue mich jeden Morgen zu unchristlicher Zeit wirklich darauf, ein Date mit dem Schöpfer des Himmels und der Erde zu haben. Zweites Symptom: Was mit 10 Minuten Lesen in der Bibel, Gebet, Reflexion begonnen hat, dauert inzwischen fast 30 Minuten – weil ich immer schwerer damit aufhören kann. Drittes Symptom: In den Stressmomenten des Tages ertappe ich mich bei dem Gedanken: “Das musst du jetzt nicht innerlich komplett in den Griff kriegen, das kannst du ja spätestens morgen früh in Ruhe mit Gott besprechen”. Ungemein entlastend…

Ist jeder Morgen eine hochgeistliche Zeit mit tiefen Offenbarungen? Ganz ehrlich: Nein! Aber ich vertraue darauf, dass es langfristig eine gute Prägung für mein Herz ist, wenigstens einmal am Tag in aller Stille auf Tuchfühlung mit dem Herzen Gottes zu sein. Ich weiß nicht, welche Erfahrungen du damit gemacht hast, gerade machst oder machen könntest (Kommentare willkommen). Ich kann nicht einmal sagen, welche Auswirkungen meine tägliche Privataudienz bei Gott in einer Woche, einem Monat oder in einem Jahr haben wird.

Aber ich bin wild entschlossen, es herauszufinden.


5 Gründe, nicht nach Gott zu fragen

14. Juli 2010

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Wie schaffen es eigentlich Organisationen – speziell Kirchengemeinden und christliche Non-Profit-Organisationen – Ziele zu bestimmen, Kurs zu halten und ihr Tagesgeschäft danach auszurichten?

Für die Organisationen, die sich Gottes Willen verpflichtet wissen (großes Wort), ist es eine wiederkehrende Herausforderung, Richtung und Timing von Gottes Absichten zu erkennen und umzusetzen. Auf manche Entscheidungsfindung scheinen ganz Faktoren einen viel direkteren Einfluss zu haben als Gottes Reden. Diese Faktoren müssen dann oft dafür herhalten, nicht geduldiger nach Gottes Absichten zu fragen.

Fünf Gründe für eine Organisation, nicht ausdrücklich, geduldig und hartnäckig nach Gottes Absichten zu fragen:

  1. Das, was andere erfolgreich tun. Wie viele christliche Projekte beginnen damit, dass “das bei anderen gut funktioniert” und “das doch auch für uns eine gute Sache wäre”?
  2. Das, was wir schon immer getan haben. Kann heute schlecht sein, was früher gut war? “Das hat bei uns eine gute Tradition”. Für alle Projekte die einmal mit dem “Willen Gottes” begonnen wurden, gilt damit automatisch der Grundsatz: “Was Gott angefangen hat, soll der Mensch nicht beenden”.
  3. Das, was ankommt. Je mehr positive Rückmeldungen ein Projekt aus der konsumierenden Masse da draußen heraus erhält, desto sicherer ist es Gottes Wille. Oder nicht? Will Gott etwa keinen zahlenmäßigen Erfolg? Keine zufriedenen Kunden? Keine öffentliche Anerkennung?
  4. Das, wofür Leute spenden/bezahlen. Eine schlichte Variation von Nr. 3. “Was Gott bestellt, das bezahlt er auch”, sagen manche. Gilt das eigentlich auch umgekehrt – “wofür die Leute bezahlen, das will Gott auch”?
  5. Das, was machbar ist. Wie viele Projekte werden nur deshalb gestartet, weil sich die Gelegenheit bietet und sie umsetzbar sind? “Warum machen wir eigentlich nichts zur Fußball-WM?” Gott redet doch durch “offene” und “geschlossene Türen”, oder nicht? Gegenfrage: Ist alles was machbar ist, automatisch eine gottgegebene offene Tür?

Ich nehme jeder christlichen Organisation – Gemeinde, kommerziell oder Non-Profit – wirklich voll ab, dass sie es ernst meint, ausgerichtet nach den Absichten Gottes arbeiten zu wollen.

Aber ich glaube nicht, dass all das tatsächlich Erkenntnis der Absichten Gottes ist, was wir dafür ausgeben. Diese fünf Faktoren sind “einfach”, zu einfach. Gott ausdrücklich, geduldig und hartnäckig nach seinen Absichten zu fragen, ist mühsam.

Ich glaube, es ist die Mühe wert.